Bei den Fotoshootings mit einer Brille, kann es sehr schnell passieren, dass Reflexionen vom Blitz auf dem Glas ersichtlich sind. Und obwohl die meisten Brillen ja schon entspiegelt sind, lässt es sich nicht ganz verhindern, etwas eingreifen zu müssen. Spiegelungen im Brillenglas ist wirklich etwas sehr störendes.

1. Das Gesetz des Einfallswinkel

Einfallswinkel ist gleich Ausfallswinkel. Dieses physikalische Gesetz ist alles, was es bei der Beleuchtung bei der Portrait mit Brillen zu beachten gilt. Somit ist also wichtig, dass sich der Winkel Licht zu Glas vergrössert.

3. Die Höhe des Lichts

Spiegelungen entstehen ja deshalb, wenn der Winkel der Lichtquelle zum Brillenglas zu klein ist. Somit muss dein Ziel beim fotografieren sein, den Winkel Licht zu Brillenglas zu vergrössern. Ich mache es so, dass ich den Blitz so hoch wie möglich setze, damit der Winkel Objektiv zu Blitz grösser wird. Wichtig ist dass du ein Mittelmass findest. Denn setzt du das Licht zu hoch, hast du zwar keine Spiegelung mehr, dafür aber eventuell kein Licht mehr in den Augen oder zu viel Schatten unter dem Kinn. 

3. Die Position des Kopfes

Fotografiere ich in einem Raum der eine niedrige Deckenhöhe hat oder Outdoor (da ich die Sonne ja nicht ändern kann) , muss die portraitierte Person den Kopf mehr nach unten neigen. Somit wird der Winkel des Glases zum Licht auch wieder grösser. Da es so aber schnell ein Doppelkinn gibt, bitte ich dann immer noch den Kopf etwas in meine Richtung zu geben. Somit wird der Hals mehr gestreckt.

Wenn es immer noch Spiegelungen auf dem Brillenglas gibt, kann man die Brillenbügel beim Ohr etwas anheben, damit das Glas vorne leicht schräg wird und somit auch hier wieder der Winkel zum Licht vergrössert wird.

Was auch helfen kann, dass das Model den Kopf etwas zur Seite neigt, damit der Lichtwinkel sich leicht verändert.

4. Suche dir Schatten

Im Freien kannst du dir nur schwer den Licht Winkel ändern. Fotografiere wenn es geht im Schatten, denn dann hast du auch keine bzw. weniger Spiegelungen auf dem Glas. Falls du keine Möglichkeit hast, im Schatten zu fotografieren, nutzen einen Diffusor oder Abschatter. Damit lässt sich verhindern, dass das Licht im Brillenglas reflektiert und somit stört.

5. Bildbearbeitung

Was tun, wenn alles nichts hilft und man Reflexionen trotzdem in der Brille hat? Dann fotografiere die Person mit der Reflexion. Danach bittest du, dass die Person die Brille abzieht. Nun fotografierst du das Gesicht ohne Brille (wichtig ist dass das Gesicht im selben Winkel fotografiert wird).  Danach kannst du in Photoshop einfach den Augenbereich aus dem Bild ohne Brille ausschneiden und in das Bild mit Brille einsetzen um es danach mit einer Maske auszuarbeiten. Zeitaufwand ca. 1 – 3 Minuten Arbeit.

 

6. Video zu Thema Spiegelung

 

Weitere Tipps für deine Portrait Fotografie erhältst du als Newsletter Leser in meinem kostenlosen EBOOK. Hier kannst du es dir gleich holen

Wer kennt es nicht. Man hat Lust auf ein Fotoshooting im Studio, Outdoor oder in einem Mietstudio. Eine Kollegin wird angerufen oder es wird ein Model gebucht und man macht den Termin aus.

Es wird der Treffpunkt und Zeit ausgemacht. Meistens heisst es dann „Nimm mal genug Klamotten mit“ und schmink dich selber. Und wenn das Model gut ist fragt sie meistens noch nach bezüglich Outfits & Styling.

Am Shooting Tag trifft man sich dann, schaut die Outfits an, fotografiert und hat Spass.

Möchtest du aber besser werden, egal ob fotografisch oder auch organisatorisch?  Dann erstelle dir ein kleines Konzept für jedes Fotoshooting. Damit du und alle Beteiligten besser vorbereitet sind und somit auch die Qualität der Bilder steigt. Suche dir Mood Bilder die dem Konzept beifügst.

Warum ein Konzept? 

  • Alle Beteiligten haben alle wichtigen Infos und können sich viel besser vorbereiten (Styling, Outfits, Posings, etc)
  • Alle haben den selben Wissenstand und alle wichtigen Eckdaten, somit geringere Fehler bei der Kommunikation
  • Jeder kennt anhand der Mood Bilder das Ziel des Shootings und ist somit fokussierter
  • Alle sind sehr gut vorbereitet und somit motiviert

Was gehört in ein Shooting Konzept (bei TFP Shootings)

  • Datum und Treffpunkt
  • Start & Ende Shooting
  • Handynummer der Beteiligten
  • Model muss gestylt kommen / wird gestylt / kann sich vor Ort stylen
  • Was muss Model mitnehmen (genau beschreiben) – halte dich an die Mood Bilder
  • Mood Bilder (Bilder die du im Netz gefunden hast die du umsetzen möchtest)
  • Ziel des Shootings (wieviel Styles, für Wettbewerb, Portfolio, etc)
  • Verpflegung (Selbstverpflegung, wer bringt trinken , essen, geht man essen, etc)
  • Bei Outdoor Shootings – wann und wer bestimmt ob das Shooting wetterbedingt verschoben werden muss – Ausweichtermin schon gleich ausmachen
  • sofern Makeup Artistin dabei ist – 1-2 Bilder vom Model (am besten unretuschiert und natürlich)
  • sofern jemand Kleider / Schuhe organisieren (Kleidergrösse, Schuhgrösse, Masse Model, Haarfarbe, Augenfarbe)
  • bis wann erhält das Team die Fotos und wieviel in etwa

Plane dein nächstes Shooting ! Du wirst sehen du befasst dich schon im Vorfeld vertiefter mit dem Shooting. Du hast weniger Aufwand mit hin und her schreiben und Fragen beantworten. Zudem kannst du deine Bilder nach dem Shooting mit deinen Moodbildern vergleichen und befasst dich daher intensiver mit deiner Arbeit. Du siehst was du beim nächsten Mal verbessern kannst.  Und so wirst du dich stetig verbessern.

PS. Wer besser werden möchte muss etwas ändern

kontakt

Wir sagen „Ja“

Deine Freunde wissen, dass du gerne und in verschiedenen Situationen fotografierst? Dann wurdest du sicher auch schon mal gefragt: «Du hast doch so eine tolle, grosse Kamera! Willst du nicht unsere Hochzeit fotografieren?» Das ist der Moment, an dem man sich als Fotograf schon ein wenig in die Enge getrieben fühlt.

Kein Grund zur Panik! Aber was sagt man jetzt? Wie reagiert man am besten auf diese persönliche und vertrauensvolle Frage? Meiner eigenen Erfahrung nach ist es am wichtigsten, ehrlich zu sein und nicht aus falscher Höflichkeit zu lügen. Das Hochzeitspaar muss wissen, woran es ist.

Andererseits gibt es für alles ein erstes Mal! Du findest Hochzeiten toll und bist motiviert, alles zu geben, damit das Brautpaar mit deinen Fotos von seinem schönsten Tag im Leben glücklich wird? Ich erkläre dir, welche Schritte notwendig sind um dein Know-how zu perfektionieren!

Inspiration einholen

Je früher du dich mit Hochzeitsfotos auseinandersetzt, desto besser! Tolle Quellen im Internet sind zum Beispiel Pinterest oder eine Google-Suche nach Hochzeitsfotografen. Auf Pinterest, eine Online-Pinnwand für Fotografien und Grafiken, kannst du zum Beispiel einen Hochzeitsordner anlegen und alle Bilder pinnen, die du gut findest. Sie landen dann in deinem Ordner und du hast jederzeit Zugriff darauf. So kannst du – natürlich nur im Notfall – auch an der Hochzeit etwas spicken 😉

Eine andere gute Quelle für dieses Vorhaben ist Instagram. Sei kreativ, was die Hashtags betrifft, aber Stichwörter wie «Hochzeit», «Hochzeitsfotografie» oder «Brautstrauss» sind schon ein guter Ansatz. Je tiefer du in die Materie eindringst, desto grösser wird die Inspiration. Du wirst zum Beispiel schnell herausfinden, dass die Hochzeitsfotografie gar nicht so sehr von Portraitfotos dominiert wird, wie man oft denkt. Auch das Getting Ready, die Party, der Apéro, der Brautstrauss oder die Hochzeitsringe zählen neben vielen weiteren Momenten und Gegenständen zu den Bestandteilen einer Hochzeit, die im perfekten Winkel für die Ewigkeit festgehalten werden.

Das notwendige Equipment

Oft ist die Kamera gar nicht so entscheidend für gute Fotos. In der Hochzeitsfotografie ist es allerdings anders. Hier gibt es zwei Faktoren, die dafür ausschlaggebend sind, dass deine Fotos perfekt werden: Sicherheit und sehr gute Qualität auch bei schlechten Lichtverhältnissen. Somit sind die Anforderungen an die Objektive extrem wichtig.

Ich empfehle dir, dass du auf jeden Fall zwei Kameras mit dabeihast, ganz egal, ob du gegen Geld oder gratis an einer Hochzeit die schönsten Momente für die Hochzeitsgesellschaft fotografierst. Zudem würde ich mich nicht trauen, nur einen Speicherchip mit dabei zu haben, auf dem ich die Hochzeitsfotos sichere. Der Grund dafür? Sollte der Chip defekt sein oder gar verloren gehen, möchte ich nicht derjenige sein, der dem Brautpaar gestehen muss, dass alle Fotos verloren sind.

Meine Erfahrung als professioneller Hochzeitsfotograf hat mir gezeigt, dass ich mit dem folgenden Material bisher an jeder Hochzeit perfekt ausgestattet war:

2 Vollformat Kameras (NIKON D850 oder D750)
24-70mm
14-24mm
35mm
85mm
105Makro
50mm
2 Aufsteckblitze
Reflektor

Zur Sicherheit empfehle ich dir auch, immer ein zweites Objektiv mit ungefähr derselben Brennweite parat zu haben, falls eines kaputt geht oder anschlägt. Mit einem Ersatz bist du immer auf der sicheren Seite! Viele weitere Tipps aus dem Alltag eines Profis erhältst du auch in meinem Hochzeits Workshop.

Die Planung vor der Hochzeit

Ein Tipp, der gerade in der Anfangsphase viel Sinn macht: Nimm die Location im Vorfeld genauer unter die Lupe. Am besten ist es, kurz bevor die Hochzeit beginnt, einige Runden durch die Location zu drehen und den Ort und seine Eigenheiten zu erkunden. Dann kannst du dir einzelne Orte anschauen, die sich ideal für Fotos oder Shootings eignen.

Ich empfehle jedem Hochzeitsfotografen, die Fototasche spätestens am Vortag zu packen und noch einmal zu kontrollieren, ob auch wirklich alles vollständig ist. Es hat sich bewährt, in etwa eine Stunde vor dem Beginn an der Location zu sein, schliesslich besteht immer die Gefahr eines Staus, einer Autopanne oder langer Parkplatzsuche. Als Hochzeitsfotograf solltest du eine Liste erstellen, damit du den Tag im Vorfeld auch schon durchspielen kannst. Auch wenn es dann sicher anders kommt 😉

Der Ablauf der Hochzeit

Stell dir die folgenden Fragen zum Ablauf der Hochzeit und du bist auf der sicheren Seite:
Welche perfekten Orte befindet an oder nahe der Location für die Bilder des Brautpaars und die Gruppenbilder?
Wie sind die Gegebenheiten und Lichtverhältnisse vor Ort?
Wie viele Gäste werden zum Apéro und am Abend erwartet?
Wann wird der Brautstrauss geworfen?

Der grosse Tag – die Hochzeit geht los

Der wichtigste Grundsatz: Geniesse den Tag! Etwas Nervosität gehört natürlich dazu, aber es gibt keinen Grund, dich verrückt zu machen. Wenn du immer zu 100 % bei der Hochzeit dabei bist und dein Bestes gibst, kann schon fast nichts mehr schief gehen. Sei freundlich zu den Gästen und verlier nie den Blick zur Braut, schliesslich gilt ihr die Hauptaufmerksamkeit der Hochzeit. Trinke genug Wasser, denn mit Kopfweh zu arbeiten ist nicht lustig. Festliche aber gleichzeitig dezent-elegante Kleidung zeichnet den Profi-Hochzeitsfotografen aus. Bequeme Schuhe sind ein Muss, schliesslich wirst du viele Stunde auf den Beinen sein.

Nach meiner Erfahrung als Fotograf und Leiter von Hochzeitsworkshops ist die grösste Herausforderung die schwierige und wechselnde Belichtungssituation. Sie variiert in der Kirche, beim Apéro oder beim Abendprogramm stark. Darauf musst du individuell reagieren. Es wäre schliesslich schade, wenn zum Beispiel die schönen und für die Braut sehr wichtigen Details des Brautkleides durch eine Überbelichtung nicht zur Geltung kämen.

Aus meiner Praxiserfahrung und aus meinen Hochzeitsworkshops kann ich dir raten: Gerade bei einer Hochzeitsreportage ist es sinnvoll, mit etwas Unterbelichtung zu arbeiten. Zudem solltest du die Lichterwarnung bei deiner Kamera aktivieren.

Sei immer aufmerksam, beobachte die Situation und denke vorausschauend. Einzigartige Momente können innert weniger Millisekunden schon wieder vorbei sein. Freude, Glückstränen, spielende Kinder, stolze Grosseltern, Umarmungen, Gefühle; all diese wertvollen Momente musst du als Fotograf festhalten. Auch wenn es mit der Zeit anstrengend und ermüdend wird: Achte den ganzen Tag auf die Details!

In der Kirche ist ein respektvoller Umgang wichtig. Ruhige Bewegungen oder der Standortwechsel in den Knien sorgen dafür, dass die Feierlichkeit nicht gestört wird. Stelle dich dem Pfarrer kurz vor und respektiere seine Wünsche. Der Focus gehört dem Brautpaar! Du musst im Hintergrund bleiben.

Das Brautpaar Shooting

Im richtigen Moment und für rund eine Stunde musst du das Brautpaar für das Shooting entführen. Am besten besprichst du mit dem Brautpaar den richtigen Zeitpunkt. Es wäre schade, wenn das Brautpaar zur Mittagszeit oder wenn die Apérogäste da sind, beim Shooting wäre. Toll und weniger anstrengend ist es, wenn du das Shooting in einzelne Teile und verschiedene Locations splitten kannst.

Authentizität zählt und macht Fotos zu etwas Besonderem, daher schnapp die besten Momente dann ein, wenn das Brautpaar herumalbert, liebende Blicke austauscht, Spass hat. Sicher helfen die Trauzeugen gerne dabei, das Kleid zu richten oder dir mit dem Equipment (z. B. durch Halten des Reflektors) zu helfen.

Dann kannst du dein Können unter Beweis stellen! Spiel mit Schärfe und Unschärfe. Sieh und versteh das Licht. Beherrsche die Blitzfotografie und blitze so, dass man es später auf den Fotos nicht merkt. Du musst deine Kamera perfekt beherrschen! Wie du das machst, gebe ich auch gerne in einem Hochzeits Workshop an dich weiter.

Die Hochzeitsreportage

Eine Hochzeitsreportage dokumentiert den Freudentag in vielen Aspekten. Sie ist sozusagen eine Geschichte und auch das Gedächtnis für das Brautpaar, wenn es sich später an den schönsten Tag im Leben zurückerinnert. Deshalb zählen hier nicht nur Personen, sondern auch Gegenstände:

Schuhe von Braut und Bräutigam
Hochzeitskleid hängend
Styling der Braut
Ankleiden der Braut/wenn möglich auch des Bräutigams
Eheringe und Brautstrauss
Hochzeitstorte
Schmuck (auch des Bräutigams, z. B. Kette, Manschettenknöpfe, etc.)
Tischeindeckung und -dekoration inkl. Tischkarten
Gesamtbild der Räumlichkeiten
Aufnahmen von der Location

Die grosse Arbeit danach – die Bildbearbeitung

Letzter und wichtigster Schritt ist die Bildbearbeitung. Sie verprasst zig Stunden, daher musst du auf einen perfekten Workflow achten. Wegen der riesigen Menge an Bildern versuche ich bei der Auswahl schnell zu sein und nicht bei jedem Bild lange zu überlegen.
Verlass dich auf dein Bauchgefühl, unterscheide im Bruchteil einer Sekunde und verwende vor allem nicht zu viele Bearbeitungsstile. Als Hochzeitsfotograf arbeite ich bei der Bildbearbeitung mit Photomechanic und Lightroom. Hochzeitspresets haben sich bewährt, beschleunigen die Arbeit und machen einen tollen Look! Natürlich kannst du auch selbst kreativ werden und eigene Presets entwerfen. Häufiges Wechseln von schwarzweiss auf farbig ist unprofessionell, davon rate ich ab. Mach es besser nur in ganzen Serien.
Was die Qualität betrifft: Verwende die volle Auflösung, da gerade bei Hochzeitsfotos die Details sehr wichtig sind. Verzichte besser auf ein Logo, so sieht es professioneller aus und das Hochzeitspaar hat sein Leben lang Freude an deinen Fotos.

Du möchtest noch mehr zum Thema wissen oder dich detailliert informieren? Bei meinen Hochzeitsworkshops erlernst du das Knowhow eines Hochzeitsfotografen und bekommst zusätzlich praktische Tipps aus meiner langjährigen Erfahrung als Profi-Fotograf. Du kannst dich auch gerne in meinen wöchentlichen Insider Liste eintragen. Klick hier

Hier kannst du dir einen kleinen Eindruck von meinem Hochzeitsworkshop machen:

 

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Erst diesen Montag konnte ich ein ausführliches Gespräch mit Nora führen. Nora, eine attraktive Frau und ein tolles Model, hat bereits erste Erfahrungen mit einem TFP-Shooting gesammelt hat und ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit mir geteilt. In meinem Blog möchte ich euch nun mitteilen, worauf es aus meiner Sicht als Profi ankommt, was es sowohl für das Model als auch den Fotografen zu beachten gibt und welche Tipps ich für ein professionelles TFP Shooting habe. Dabei ist es mir wichtig, auch meine Erfahrung und Herangehensweise mit dir zu teilen. Falls du nicht weisst was TFP bedeutet: Die Bezeichnung Time For Pictures steht in der Fotografie für eine Vereinbarung, die zwischen dem Model und dem Fotografen getroffen wird. Statt des normalerweise üblichen Honorars stellt der Fotograf dem Model seine Bilder kostenlos zur weiteren Verwendung, zum Beispiel für den Bereich der Social Media, zur Verfügung.

Nora berichtete mir in unserem ausführlichen Gespräch darüber, dass sie erst vor Kurzem ein umfangreiches Shooting bei einem Fotografen hatte. Im Anschluss erhielt sie alle Fotos, die während des Shootings gemacht wurden zum Download kostenlos zur Verfügung gestellt. Es klingt fast unglaublich: Sie erhielt mehr als 300 Dateien in einer riesigen Datei zum Herunterladen!

Was ist da schief gelaufen?

Was Nora, als auch mich als Profi in der Fotografie dabei schockierte, war die Tatsache, dass sich der Fotograf nicht einmal die Mühe gemacht hatte, die unbrauchbaren Fotos auszusortieren. Stattdessen schickte er ihr die komplette «Ausbeute» zu. Ganz egal ob die Fotos unscharf, falsch belichtet oder einfach nur schlecht waren, er stellte alle Bilder ohne vorherige Auswahl und unbearbeitet in den Downloadlink. Vermutlich hatte er sich nicht einmal die Mühe gemacht, auch nur ein einziges seiner Fotos selbst anzuschauen, geschweige denn zu überarbeiten. Nora stand daraufhin vor dem Problem, dass sie vor einem Berg an digitalen Fotos stand, der unübersichtlich, schwer zu sortieren und meistens auch nutzlos war. Auf meine Frage hin, wie lange denn das Shooting ging, meinte sie: «Nur eine Stunde!»

Das erschreckende daran: Als ich sie fragte, wie viele der Bilder ihr denn überhaupt gefielen, antwortete sie mir, dass nur 12 der über 300 Bilder tatsächlich gelungen wären. Aufgerechnet sind dies gerade einmal 4 Prozent! Die restlichen 288 Fotos aber knabberten teilweise sogar an ihrem Selbstwertgefühl, da einige davon Perspektiven und Eindrücke von Nora gaben, die so gar nicht ihrem ansprechenden Naturell und ihrer Fotogenität entsprachen. Dies passt gar nicht zu gelungener Portraitfotografie. Ganz abgesehen davon kostete es natürlich immens viel Zeit, die über 300 Fotos zu sichten und die wenigen verwendbaren Exemplare herauszufiltern. Neben dem negativen Schub an ihrem Selbstwertgefühl war also auch ein grosser Zeitaufwand notwendig, um die Bilder zu sichten und die wenigen vernünftigen auszuwählen.

Und so erinnert sich Nora noch heute eher an die schlechten anstatt an die 12 schönen Fotos, die der Fotograf während des Fotoshootings geschossen hatte.

Wie kann es besser laufen?

Gehen wir doch mal einen Schritt zurück. Was ist der Job des Fotografen? Schlussendlich wird er von seinen Kunden am Ergebnis gemessen und auch dementsprechend an Freunde, Verwandte oder Kollegen weiterempfohlen. Ich gehe davon aus, dass er auch freundlich und nett zu seinem Model war, schließlich gehört dies neben den Fachkenntnissen zu den unabdingbaren Haupteigenschaften eines guten Fotografen, die sich bei den Kunden einprägen. Ohne soziale Kompetenz hat es noch kein Fotograf auf Dauer zum Erfolg gebracht.

Meiner Meinung nach mit dem Shooting der Job für den Fotografen noch nicht beendet. Eigentlich fängt er an diesem Punkt erst so richtig an, schliesslich ist die Portraitfotografie mehr als nur den Auslöser auf dem Fotoapparat zu drücken. Das Auswählen und die Bearbeitung gehört zur Aufgabe und eigentlich sogar zum Berufsselbstverständnis des Fotografen, sicherlich aber nicht in die Hände des Models. Wie selbstverständlich stellt jeder Fotograf nur die besten Ergebnisse auf seine Homepage – warum sollte man das bei einem TFP Shooting anders handhaben?
«Schicke nur die besten Fotos und dein Model wird begeistert sein. Bei der Sichtung der Fotos wirst du auch deine Fehler sehen und wieder lernen» ist ein Grundsatz meiner Arbeit.

Mehr als 10-20 Bilder pro Stunde/Shooting braucht kein Model. In der heutigen Zeit posten die meisten Kunden max. 3 bis 5 Bilder pro Shooting auf den Social-Media-Kanälen. Warum gibt es bei Germany’s next Topmodel bei jedem Shooting, das den ganzen Tag geht und extrem aufwendig ist, nur EIN Foto? Genau! Lieber ein perfektes Foto das umfangreich bearbeitet wird als zig unbrauchbare Bilder.

 

Mein Weg zu perfekten Resultaten bei einem TFP-Shooting

Lassen wir mal kurz die Qualität ausser Acht. Wie soll man mit dem Model kommunizieren können, wenn man Hunderte Fotos in einer Stunde macht? Zum Schluss hat man zwar viele Fotos, aber keines davon löst Emotionen aus. Denn man hat gar keine Zeit den Menschen vor der Kamera zu motivieren, ihn und seine Persönlichkeit kennenzulernen und zum Lachen zu bringen. Ganz zu schweigen davon, etwa Feedbacks zum Posing oder zur Mimik zu geben.

Wenn ich ein freies Projekt habe, dann fotografiere ich im Schnitt ca. 80 Bilder pro Stunde. Ich rechne zum Beispiel mit rund 90 Minuten Dauer für ein TFP-Shooting. Die Auswahl der Bilder mache ich im Anschluss daran immer selbst und erst am nächsten Tag.

Du fragst dich, warum ich die Auswahl nicht gleich am selben Tag, sondern frühestens am Tag danach mache? Da ich persönlich finde, dass direkt nach dem Shooting die Emotionen noch zu stark sind, um eine richtige Entscheidung zu treffen. Ist das Model megasympathisch und gab es eine gute Stimmung wirst du mehr Fotos aussuchen und für super befinden als wen es sich um eine schwierige Zeit mit einem im schlimmsten Fall sogar richtig zickigen Fotomodel handelt. Das ist menschlich. Wenn du aber eine Nacht drüber schläfst, merkst du bei der Auswahl am nächsten Tag, dass die Fotos der Zickigen manchmal sogar besser sind. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel 😉

Die Auswahl der besten Bilder, in der Regel ca. 5-8 Stück, retuschiere ich mit Lightroom & Photoshop und sende diese dem Model zum Download per Dropbox zu. Die Bilder sende ich nicht in diversen Variationen (wie Original, schwarz & weiss, Farblook 1, 2, 3, 4), sondern immer nur in einer Variante. Welche Variante am besten ist, entscheide ich selbst. Die Fotos schicke ich in voller Auflösung, damit es zu keinen Qualitätsverlusten kommt.

Da ich Bildsignaturen oder Logos persönlich eher störend finde, stelle ich meine Bilder ohne diese zur Verfügung. Zudem sind die Models bei mir auch nicht dazu verpflichtet, mich zum Beispiel auf Social Media-Kanälen wie Instagram oder Facebook zu markieren. Dies garantiert Top-Fotos in bester Qualität, natürlich freue mich aber sehr darüber, wenn Models mich freiwillig markieren und so meine Arbeit auch zu schätzen wissen und mich bei einem grossen Publikum bekannt machen.

Bei vielen Workshops werde ich auch gefragt, ob Models/Kunden meine Bilder noch nachträglich verändern dürfen. Ehrlich gesagt ist mir das egal. Auch wenn es mir ab und zu die Haare aufstellt wie manche Kunden die Qualität der Bilder dadurch verschlechtern, so ist es doch immer auch ein Stück Freiheit und Geschmackssache. Wenn jemand unbedingt besonders schlank sein möchte, soll er dies eben tun 😉

Was ist deine Meinung dazu? Was beachtest du bei TFP-Shootings und wie gibst du deine Bilder an die Models ab?